Essays
Volker Schunck : Prothetische Matrix aus Sperrmüll
Ein erster streifender Blick auf die Skulpturen und Bildobjekte des Schweizer Künstlers Aldo Mozzini entgeht kaum einer irritierenden Erfahrung, die sich auch bei wiederholter Wahrnehmung einstellt. Das vorschnell zugeordnete Möbel-Ding aus Sperrholz und Sperrmüll entzieht sich in Schieflage und Verkantung. Spottend jeder Vorstellung von schöner Wohnen, verharrt es in partiellen und fragmentierten Funktionen von Gebrauch. Die angedeutete Benutzbarkeit wird zur Falle für empirische Erfahrung, für den designten Blick, für das klassische Credo der guten Form. Seine Skulpturen aus Teilen demontierter Altmöbel beziehen ihr provozierendes Potential aus der Distanznahme zur scheinbaren Vertrautheit der uns umgebenden Dinge und Räume. Mozzinis Tische und Schränke, Container, Kisten, Kanzel und Fensterrahmen sind entlassen aus Gebrauch und Funktionalität Anti-Möbel, Ready Mades und Artefakte zugleich, die den architektonischen Raum ebenso transformieren wie den der Wahrnehmung und Reflexion.
Ein wichtiger Teil seiner Arbeiten thematisiert also Reflexion und Paradigma von Skulptur aus einer Haltung der Differenz und Dekonstruktion. In der postmodernen Aera des Zusammenbruches von Metaphysik und Ganzheitsdogmen konstituieren sich seine Arbeiten aus den Fragmenten einer geborstenen und aufgelösten Aesthetik. Ihre Identität und ihre Schönheit sind Fügungen des Diskontinuierlichen, des Partikularen, des Heterogenen.
Irritation ist nicht Selbstzweck, sie ist Hinweis und widerständige Befragung post-industrieller Existenzformen, in der die virtuellen Wirklichkeiten die primären Erfahrungen des menschlichen Seins, des Körpers, der Rä?ume, der Dinge sich entfremden und auflösen in den Netzwerken des Virtuellen.