Vom Auftauchen und Verschwinden 2009

Kunstraum im Engländerbau Vaduz

Mit Werken von Bianca Dugaro (Basel CH), Gertrud Kohli (Ruggell FL), Kurt Matt (Bregenz A) Aldo Mozzini (Zürich/Locarno CH)

Kuratiert von Sibylle Omlin (CH)

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castle 2009 300 x 760 x 400 cm

Pressetext:
Ein Schneeflöckchen fällt auf den Ärmel eines Wintermantels, schmilzt und ist verschwunden. Ein kleines Mädchen haucht im Bus eine Fensterscheibe an und schreibt seinen Namen hinein, nach fünf Minuten ist alles wieder weg. Ein Gesicht verliert sich in der Menge. Was ist das für ein Vorgang, was ist das für ein Gefühl, wenn Dinge oder Menschen aus dem Gesichtskreis verschwinden und die Spuren von etwas zuvor Da-Gewesenem sich verlieren?

Die Darstellbarkeit von ephemeren Vorgängen und Dingen ist eine der grossen Herausforderungen für die Kunst, die in erster Linie auf Sichtbarkeit abzielt. Was ist ein Schatten in einem fotografischen Bild? Was ist ein Umriss? Ein Fundstück? Was kann von einem Prozess des Findens und Aufgebens in einem Werk übrig bleiben? „Auftauchen und Verschwinden* ist Thema der Ausstellung vom 4. Februar bis 15. März 2009 im Kunstraum im Engländerbau in Vaduz, die von der Schweizer Kuratorin Sibylle Omlin konzipiert wurde. Sie hat zu diesen fragilen Aspekten der Kunst eine kleine Gruppe von Kunstschaffenden aus der engeren und weiteren Region eingeladen, um im Kunstraum im Engländerbau in Vaduz mit ihren Werken der Dialektik von Sichtbarsein und Unsichtbarem, von Entstehen und Vergehen, von Prozess und Resultat nachzuspüren.

Bianca Dugaro aus Basel untersucht in ihren fotografischen Arbeiten den Punkt, an dem eine Person auf einem Bild noch sichtbar ist und wo sie in ein diffuses Grau oder Weiss abtaucht. Die Umrisse der Figur machen eine feine Grenzlinie zwischen Sichtbarem und Unsichtbaren aus, während die bei der Fotografie typische Realistik des Abbilds für einmal in den Hintergrund tritt. Die fotografierten Personen sind nicht zu identifizieren, nur schemenhafte Körper zeichnen sich ab – als Schatten ihrer selbst.

Das Schemenhafte beschäftigt auch die Liechtensteiner Künstlerin Gertrud Kohli. In ihrer Malerei benutzt sie oft einfache, organisch anmutende Grundformen, die sie in einem endlos scheinenden Rapport im Bild wiederholt. Im Bild „Inkarnation“ (2006) sind es Figuren in weisser Farbe, die sich zellenhaft aus einem lachsrosa-braunen Untergrund herausschälen und in Wiederholungen und Verschlingungen die Eindeutigkeit zwischen Figur und Grund verwischen.

Kurt Matt aus Bregenz interessiert sich anhand Euro-Palette für die Zirkulation von Dingen im globalen Markt, die – auf eine normierte Fläche aus Holz gestapelt – weltweit in Camions, Schiffen, Güterwagen transportiert werden. Die Euro-Palette als Träger von Waren ist bei Kurt Matt jedoch auch ein Platzhalter, eine leere Figur. Die Paletten hat er gefunden, im Rhein, im See, im Abfall. Sie sind also aus dem Transportkreislauf ausgeschieden und erzählen nun als leere Flächen zusammen mit den Texten über Hinweise auf Fundort und Auftauchen, die Kurt Matt als minimale Narration auf ihnen appliziert, die Geschichte vom Verschwinden in einem unendlichen und unüberschaubaren Handelssystem.

Aldo Mozzini (Zürich/Tessin) schliesslich reagiert mit Karton und Holzbrettern auf die vorgefundene Raumsituation im Engländerbau, in dem er den Raum einer eigenen Form von ephemerer Untersuchung unterzieht. Die installativen Eingriffe sind reversibel, und dennoch sind es minimalistische Formen von Bauten. Die mit poveren Materialien erstellten raumhaften Strukturen reagieren auf den Raum und versuchen, ihn in seiner Anmutung zu verändern.

Das Auftauchen und Verschwinden ist über die vier in den Raum platzierten künstlerischen Haltungen thematisiert; und wir erhoffen uns zusammen im gemeinsamen Gespräch (26.2.09, 18-20 Uhr) und mit einem Vortrag des Liechtensteiner Philosophen und Literaturwissenschaftler Rainer Nägele (Darstellbarkeit, Edition Engeler, Weil 2008), der aus Yale für kurze Zeit in seine Heimat zurückkehrt, zur Finissage(15.3., 11 Uhr) Aufschlüsse über die Darstellbarkeit des Fragilen und Volatilen im ästhetischen Sinn.

Weitere Informationen:

Sibylle Omlin, Kuratorin 0041 78 665 78 30
Spalenberg 34, 4057 Basel

Jens Dietmar, Kunstraum im Engländerbau Vaduz,Telefon 00423 2333111
oder mobil 0043 78 889 3707